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S-Dressur Friese Sky

S-Dressur Friese – wie ist das möglich?

Ein S-Dressur Friese - nicht von einem Profi, sondern einer ganz normalen Freizeitreiterin vorgestellt – sehr ungewöhnlich, findet reiterfragen.de. Wir bitten um ein Interview um zu erfahren, wie das möglich ist.

Also fahre ich an einem Montagabend in einen Pensionsstall im Kölner Westen und treffe dort Alisa Mausbach und den S-Dressur Friese Sky. Als ich ankomme, wird er gerade von Alisa longiert. Als er mich sieht, macht er einen Bocksprung und ich erhalte einen ersten Eindruck von der Power und dem Bewegungspotential des schwarzen Hengstes.

Nachdem die Bewegungseinheit beendet ist, bringen wir Sky in seine großzügige Fensterbox. Wir nehmen Platz auf zwei Stühlen, die auf dem Hof herumstehen, und Alisa beginnt von sich und dem Ausnahmefriesen zu erzählen.

S-Dressur Friese Sky
Sky an der Longe.

S-Dressur Friese Sky: Wie alles anfing

Reiterfragen.de: Sky ist weder dein eigenes Pferd, noch hast du ihn im Beritt. Am ehesten passt wohl die Bezeichnung „Reitbeteiligung“. Erzähl doch mal, wie es dazu kam, dass du ihn „mitreitest“.

Alisa:2010 entschieden Klaus und Andrea Dahms, sie würden gerne als Späteinsteiger reiten lernen. Dafür suchten sie nach einem braven Freizeitpferd. Unter den Hochzeitsfriesen von Thomas Schäfer fanden sie den damals 5-jährigen Sky, der nicht nur angeritten war, sondern auch zwei- und vierspännig vor der Kutsche ging. Man wurde sich einig und Sky zog in denselben Pensionsstall, in dem ich eine Reitbeteiligung an einem Andalusier hatte.

Der schwarze Hengst machte einen guten Job als Anfängerpferd, doch sein Vermögen blieb nicht lange verborgen. Er war lernbegierig und sehr arbeitswillig. Andrea und Klaus merkten dann, dass sie dem allein nicht gerecht werden konnten und Sky nicht ausgelastet war. Ich stellte meinen Andalusier damals in kleinen Barockpferdeprüfungen vor. Das war vielleicht ausschlaggebend, dass die beiden mir anboten, Sky mitzureiten.

Ich war anfangs gar nicht so begeistert von dem Vorschlag und dachte nur: „Oh Gott, ein Friese…“ Doch dann warf ich meine Bedenken über Bord und ließ mich angenehm von Skys Rittigkeit überraschen.“

Herkunft/Abstammung: Ein reiner Friese trotz Turbo?

Reiterfragen.de: So viel Power und dazu die auffallend schlanke Gestalt: Da stellt sich die Frage, ob nicht ein Tropfen Araberblut durch Skys Adern fließt? Handelt es sich bei dem Friesen womöglich um einen Arabofriesen?

Die Antwort von Alisa ist eindeutig: „Nein. Sky ist reinrassig gezogen, sein Vater ist Wikke 404 und der Muttervater heißt Jelke – er hat volle Papiere.“

Eine echte „Schwarze Perle“

Forscht man ein wenig in den Ahnentafeln erfährt man, dass Sky sowohl väterlicherseits als auch über die Mutter auf die berühmten Hengste Tetman 205 und Ritske 202P zurückgeht. Die Rasse der Friesen ist seit vielen Jahrhunderten bekannt und wird seit 1915 rein gezogen. Tetman ist bekannt dafür, guten Trab zu vererben, allerdings auch eine gewisse Trägheit, die man bei Sky so gar nicht feststellen kann.

Schwitzt schnell und stark

Was auch gegen Araberblut in Skys Pedigree spricht, ist die für nordische Pferderassen so typische „Dicke Haut“: Im Gegensatz zu den hoch im Blut stehenden Pferden, wo die Adern bei Anstrengung zur Wärmeregulierung hervortreten, liegen die Blutgefäße bei Friesen tief im Fleisch eingebettet: Laut Alisa schwitzt ihr Powerhengst schnell und auch sehr stark, „aber er läuft und läuft und läuft; will nie aufhören, da muss ihn der Reiter stoppen.“

Wälzen auf der Weide: Auch ein S-Dressur Friese muss auch mal einfach nur Pferd sein dürfen.

Futterplan für Friesen

Reiterfragen.de: Kommt die Friesenpower vielleicht aus der Ernährung? Wie sieht denn Skys Futterplan aus?

Alisa: „Auf jeden Fall nicht vom Hafer! Wenn wir Sky noch Hafer gäben, wüsste er bestimmt gar nicht mehr, wohin mit seiner Kraft. Er bekommt viel Heu und steht auf Stroh. In der warmen Jahreszeit geht er auch noch täglich stundenweise auf die Wiese. Dazu bekommt er ein Müsli, das auf seine Bedürfnisse abgestimmt ist. Außerdem noch täglich zwei Kilo Möhren, einen Apfel und Luzerne.

Der S-Dressur Friese bekommt keinen Hafer

Sky ist sehr schlank mit seinen 560 Kilo – das ist echt wenig für einen Friesen, zumal er dabei 168 Zentimeter Stockmaß hat. Bei ihm müssen wir immer aufpassen, dass er nicht zu dünn wird – was eher friesenuntypisch ist.

Reiterfragen.de: Kommt die Friesenpower vielleicht aus der Ernährung? Wie sieht denn Skys Futterplan aus?

Alisa: „Auf jeden Fall nicht vom Hafer! Wenn wir Sky noch Hafer gäben, wüsste er bestimmt gar nicht mehr, wohin mit seiner Kraft. Er bekommt viel Heu und steht auf Stroh. In der warmen Jahreszeit geht er auch noch täglich stundenweise auf die Wiese. Dazu bekommt er ein Müsli, das auf seine Bedürfnisse abgestimmt ist. Außerdem noch täglich zwei Kilo Möhren, einen Apfel und Luzerne.

Wenig Leckerlis aus erzieherischen Gründen

Trotzdem bin ich mit Leckerchen sparsam: aus erzieherischen Gründen. Gerade Hengste neigen zum Schnappen oder Beißen, was durch ständige Leckerchengaben gefördert wird. Darum bekommt Sky so zwischendurch gar nichts. Aber nach dem Reiten haben wir ein Ritual: Wenn er in der Putzbox steht und abgesattelt ist, dann erhält er sein wohlverdientes Leckerchen. Da wartet er immer schon drauf und kaut genüsslich darauf herum, während ich den Sattel wegtrage.“

S-Dressur Friese
Sattel speziell für Barockpferde mit kurzem Rücken: Der Omega Mercedes

S-Dressur Friese: Die Sattelfrage

Reiterfragen.de: Es ist ja nicht immer so einfach, einen passenden Sattel für einen Friesen zu finden. Du reitest mit einem sehr auffälligen Modell, ist das eine Sonderanfertigung?

Alisa: „Sky ist zum Glück recht unproblematisch von der Sattellage her. Wir haben uns damals für einen Omega Mercedes entschieden, weil sich der Hersteller gut mit den kurzen Rücken von Barockpferden auskennt. Entsprechend hat der Sattel eine breite Auflagefläche und verteilt das Reitergewicht gleichmäßig. Trotzdem sitzt man damit tief und nah am Pferd. Wir fühlen uns beide sehr wohl damit.

Allerdings entwickelt Sky in letzter Zeit immer mehr Schwung, so dass ich inzwischen Probleme habe, ihn im starken Trab auszusitzen. Da wünsche ich mir manchmal mehr Pauschen zur Unterstützung. Aber das kann man wohl anpassen lassen.“

S-Dressurfriese Sky
Sky und Alisa Mausbach in einer Dressurprüfung der Klasse M.

S-Dressur Friese: Erfolge von Alisa Mausbach und Sky

Das anfängliche „Mitreiten“ von Alisa wurde im Laufe der Jahre immer mehr. Mittlerweile reitet sie Sky vier- bis fünfmal in der Woche. Ansonsten genießt er die Reitstunden mit seinen Besitzern, wobei die beiden Alisa auch an ihren Reittagen immer unterstützen.  Diese „Arbeitsteilung“ funktioniert wunderbar.

Ich hatte noch nie ein eigenes Pferd“

sagt Alisa, die mit ihrer „Reitbeteiligung“ in den letzten zwei Saisons eifrig Schleifen in M*- und M**-Prüfungen sammeln konnte. Damit setzten sich die beiden gegen eine starke Konkurrenz durch, die teure Sportpferde von Profibereitern ausbilden und vorstellen lässt.

Schritt für Schritt nach oben

Alisa und Sky begannen mit kleinen Barockpferdeprüfungen auf ländlichen Turnieren. Erste Erfolge ermutigten das Pferd-Reiter-Paar, auch auf FN-Turnieren zu starten. Langsam steigerten sich Alisa und Sky von Klasse L in die M-Klasse. Ein Höhepunkt letztes Jahr war der Sieg des Königs Barockpferdecup 2017 auf der Equitana in Essen mit einer M-Kür. In der Turniersaison 2018 konnten Alisa und Sky bereits erste Erfahrungen in der S-Klasse sammeln. Auch hier sieht Alisa zuversichtlich in die Zukunft, denn „Sky zeigt eine große Begabung für Piaffe und Passage“.

S-Dressur Friese Sky
Auf dem Weg in die S-Dressur.

Vorurteile gegenüber Friesen auf FN-Turnieren

Wenn auf einem Abreiteplatz ein Friese für die nächste Dressurprüfung vorbereitet wird, muss man meist nicht lange auf gehässige Kommentare aus dem Publikum warten: „Der gehört vor die Kutsche“ oder „Kaltblüter haben hier nichts verloren“ hört man immer wieder. Auch Alisa sind solche Sprüche bekannt, aber:

“In Barockpferdeprüfungen ist es schon leichter, aber in Bezug auf Sky habe ich so etwas noch nie gehört. Manche Leute gucken am Anfang komisch, aber bisher konnte Sky am Ende immer durch seine Leistung überzeugen.“

Vorurteile durch Unwissenheit

Den Ursprung für solche Vorurteile sieht Alisa in zwei Tatsachen begründet. Zum einen, sagt sie, sei die Bandbreite des Dressurvermögens bei Friesen sehr viel größer als bei Sportpferden: „Friesen gibt es von…bis“. Da sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Spotter bisher nur nicht-veranlagte Tiere gesehen habe.

Korrekte Ausbildung ist die Basis

Zum anderen meint sie, dass viele Friesen tatsächlich zu eng oder aufgekröpft geritten würden:

„Einen Friesen in korrekter Anlehnung mit offenem Genick und losgelassen über den Rücken schwingend vorzustellen ist viel schwieriger als bei einem Sportpferd. Das erreicht man nur durch eine solide klassische Grundausbildung. Die korrekte Dehnungshaltung ist für Friesen genauso wichtig wie für alle anderen Pferde, ist aber rassebedingt viel schwerer zu erreichen. Man braucht Zeit und Geduld, weil alles länger dauert und ein Friese gerade für die Grundausbildung nicht allzu viel mitbringt.“

Sky muss sich nicht verstecken

In vielen Punkten entspricht Sky zum Glück dem gewünschten Reitpferdetyp: Er ist natürlich schwarz, langbeinig, schlank und verfügt über drei gute Grundgangarten sowie eine klassische Ausbildung. Da stören langer Zopf und Puschel nicht – die bleiben dran. Der Dressurfriese wird nicht auf Sportpferd gestylt.

[Wie man langen Fesselbehang richtig pflegt und Mauke vorbeugt, kannst du in einem anderen Beitrag von mir lesen.]

S-Dressur Friese
Cooler Friese: Sky als Flügelpferd bei einer Show-Aufführung

Vorteile von Dressurfriesen in FN-Prüfungen

Reiterfragen.de: Bei so viel Schwierigkeiten fragt man sich, ob es denn auch Vorteile gibt, mit Sky auf einem FN-Turnier zu erscheinen.

Alisa: „Auf jeden Fall. Zum Beispiel, weil er ein Hengst ist. Er präsentiert sich einfach gerne. Das kommt bei den Richtern gut an. Und seine Coolness. Sky hat vor gar nichts Angst, oder besser gesagt: er vertraut seinem Reiter. Manchmal merke ich ein leichtes Zögern bei ihm, als wenn er fragen wollte: Soll ich wirklich? Wenn ihn der Reiter dann bestärkt, geht er überall hin. Außerdem ist er sehr unkompliziert auf Reisen, geht problemlos in den Hänger und scheint sich auch in der Fremde wohlzufühlen. Da ist er ein typischer Friese: neugierig und menschenbezogen.“

S-Dressur Friese Sky
Alisa Mausbach auf Sky mit Trainer Jakob Hetzel

Das Training mit dem S-Dressur Friesen Sky

Sky wird vier bis fünfmal die Woche von Alisa geritten, meist einmal die Woche von seinen Besitzern. Einen Tag die Woche hat er frei: dann wird er laufengelassen oder longiert, wobei er laut Alisa „bockt, als wenn´s kein Morgen gäbe“.

Seit etwa drei Jahren nimmt Alisa regelmäßig Unterricht bei Jakob Hetzel. Dafür lädt die engagierte Freizeitreiterin den Hengst auf den Hänger und fährt mit ihm die 40 Kilometer nach Moers: dort gibt der Trainer Unterricht auf der Anlage seiner Schwägerin. Für mehrtägige Lehrgänge bezieht Sky eine Box und erspart sich so die Hin- und Herfahrerei.

 

Schritt für Schritt zum fliegenden Wechsel*– mit vielen Bildern gut erklärt.

Galopp: Knackpunkt „Fliegender Wechsel“

Hetzel kam ins Spiel, weil die fliegenden Wechsel so gar nicht klappten: Sky zog es vor, stattdessen zu bocken oder auszutreten. Allgemein sagt man den Friesen nach, Probleme mit dem Galopp zu haben.

Alisa: „Mit dem Grundgalopp hatte Sky keine Probleme, der war von Anfang an da. Er galoppierte fleißig und mit Raumgriff. Aber es dauerte ewig, bis er sich setzte. In der Beziehung ist Sky ein echter Spätentwickler. Eigentlich habe ich jetzt erst, wo er dreizehn Jahre alt ist, das Gefühl, dass sich der Galopp so richtig versammeln lässt.“

Friese Sky im Kompliment mit Alisa Mausbach, daneben Irina Dombrowski auf Esperanzo.

Ein S-Dressur Friese als Showpferd?

Die Nerven dazu hat er auf jeden Fall“ meint Alisa. Der Dressurfriese bietet ein ganzes Repertoire an zirzensischen Lektionen: Er beherrscht den spanischen Schritt, das Kompliment, legt sich hin und kommt daraus zum Sitzen. Nur das Steigen hat ihm Alisa bewusst nicht beigebracht: „Das hätten die Besitzer nicht gewollt und ich finde es auch zu gefährlich – gerade bei einem Hengst.“

Außerdem präsentiert sich Sky gerne vor Publikum und auch Alisa hat Spaß am Showreiten. So hatten die beiden schon ein paar Auftritte, wie zum Beispiel das Pas-de-deux auf S-Niveau mit Irina Dombrowski auf der Feria Espectaculo in Köln. Doch leider ist die Freizeit von Alisa nicht unbegrenzt und so hat sie sich für das Turnierreiten entschieden.

[Lese mehr über das Pas-de-deux und Irina Dombrowski: 30 Jahre Showreiten in einem anderen Beitrag von mir.]

S-Dressur Friese
Ein gut funktionierendes Team: Pferd, Reiterin und die stolzen Besitzer.

Ambitioniertes Freizeitreiten auf höchster Stufe – wie ist das möglich?

Reiterfragen.de: Du hast in den letzten Jahren studiert, jetzt deinen Abschluss gemacht und arbeitest Vollzeit. Außerdem gibt es da noch einen Freund – und trotzdem hast du mit Sky so viel erreicht. Wie ist das möglich?

Alisa:Das geht natürlich nur mit viel Unterstützung und Verständnis von meinen Mitmenschen. An dieser Stelle geht ein großer Dank an meinen Freund und vor allem an die Besitzer von Sky: Andrea und Klaus unterstützen uns, wo sie nur können. Sie lassen mir freie Hand und fahren immer mit aufs Turnier. Ohne deren aktive Mithilfe hätten Sky und ich das nie geschafft.

Und natürlich liegt es an Sky selbst: Dieses wunderbare Pferd ist immer leistungsbereit und macht gerne mit. Dabei ist er so unkompliziert, verreist gerne, und fühlt sich überall wohl. Es macht einfach nur Spaß mit ihm.“

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