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Was kostet ein Pferd

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Der Traum vom eigenen Pferd

Das eigene Pferd ist für viele Menschen ein Traum. Doch bevor man sich diesen Traum erfüllt, müssen viele Fragen beantwortet werden. Eine der wichtigsten Fragen dabei ist, was ein eigenes Pferd kostet. Das ist eine sehr einfache Frage, die sich leider nicht so ohne weiteres beantworten lässt. Zum einen geht es um den einmaligen Anschaffungspreis, zum anderen um die monatlichen Kosten.

Was genau willst du für ein Pferd?

Zuerst muss geklärt werden, was du für ein Pferd kaufen willst und wofür. Es macht einen Unterschied, ob du ein Sportpferd willst, um damit an Turnieren teilzunehmen, oder ob du einfach ein Pferd zum Liebhaben und durchs Gelände streifen willst. Manche wollen ein Pferd auch einfach nur als Rasenmäher. Abgesehen von Rennpferden sind Sportpferde fürs Turnier sowohl in Anschaffung als auch im Unterhalt am teuersten, allerdings gibt es zahlreiche Überschneidungen mit dem Halten von Freizeitpferden.

Hier geht es um Freizeitpferde

Da die meisten LeserInnen wahrscheinlich ein Freizeitpferd zum Reiten halten und nur manche davon gerne ein ländliches Turnier besuchen oder ein Reitabzeichen machen wollen, kalkuliere ich hier ein Freizeitpferd mit und ohne Ambitionen zu Turnieren, Lehrgängen und so weiter.

Der Anschaffungspreis macht den Unterschied

Für Rasenmäher-Pferde gelten dieselben Haltungskosten, allerdings kann man alle Beträge fürs Reiten abziehen.In diesem Artikel findest du alle Kosten aufgeführt und erklärt. Außerdem zeige ich dir, wo du sparen kannst. Am Ende gibt es noch einen Trick, wie du ganz einfach selbst herausfinden kannst, ob du dir ein eigenes Pferd leisten kannst.




Die Anschaffungskosten

Knallhart formuliert, gibt es für Pferde einen reellen und einen Liebhaberpreis. Der reelle Preis ist der aktuelle Schlachtpreis, der um zirka einen Euro pro Kilogramm pendelt. Daran gemessen bekäme man etwa 600 Euro für ein großes Warmblutpferd. Der berühmte Totilas – das teuerste Dressurpferd aller Zeiten – wurde aber 2010 für rund zehn Millionen Euro (oder sogar mehr) verkauft – das war der Liebhaberpreis.

Wie entsteht der Preis?

Der Liebhaber-Preis eines Pferdes setzt sich aus vielen Faktoren zusammen: Alter, Gesundheit, Ausbildungsstand, Rasse und Pedigree, Geschlecht, Vermögen, Schönheit. Letztendlich geht es darum, was man in Zukunft von dem Pferd noch erwarten kann. Wer einen konkreten Überblick will, schaut am besten auf den verschiedenen Plattformen wie e-horses.de nach.

Der Preis eines Pferdes kann sich ändern

Es gibt Pferde, die früher mal ein Vermögen gekostet haben und jetzt für ´nen Appel und `nen Ei zu haben sind: Wird in einem Rennstall ein Fohlen mit entsprechender Abstammung geboren, ist es sofort 80 Millionen Euro Wert. Es wächst heran, kommt ins Training und stellt sich dann womöglich als lahme Ente heraus. Dann wird es drei- oder vierjährig für etwa 1000 Euro als Freizeitpferd angeboten. Solche Pferde können in einer zweiten Karriere noch erstaunliches leisten, wie der unvergessliche Arak, ein schwarzes Vollblut von der Rennbahn, das mit Monica Theodorescu erfolgreich im Grand Prix startete.

Kaufpreis eines Pferdes

 KostenspanneErklärung
Rasenmäher, Beistellpferd
(nicht reitbar)
0 – 1.000 EuroAlt, krank oder sehr klein
Fohlen, Absetzer, Jungpferd bis 3 Jahre600 bis 6.000 (und mehr), je nach Rasse, Papieren, Leistungsvermögen und Aussehen (Sportpferde ab ca. 2.000 Euro)Hohes Risiko wegen Verletzungs- und Krankheitsgefahr bis hin zum Tod; brauchen noch mindestens 2,5 Jahre bis zum Anreiten, Kosten für Unterhalt und Beritt; kann nicht probegeritten werden
Gesundes Reitpferd für den Freizeitbereich, eventuell bis Klasse A/L im ländlichen Sport Erfolg möglich.Ab 2000 Euro bis etwa 10.000 EuroHaflinger, Fjordpferd, Andalusier, Freiberger, Warmblut, Friese usw. Pferderassen
Turnierpferd für Klasse L und höher
Showpferd
Westernpferde
Ab 10.000 Euro bis 10.000.000 Euro (und mehr)
Springpferde sind teurer als Dressurpferde
Sportpferde wie Hannoveraner, Holsteiner usw. Deutsche Reitponys gehen bis etwa 100.000 Euro
Auch Andalusier und Friesen mit Sport-Veranlagung.
Soviel Geld brauchst du, um ein Pferd zu kaufen. Natürlich sind das nur Pi mal Daumen Preise, also Anhaltswerte, die in der Praxis davon abweichen können.

Ein gutes Lehrpferd ist Gold wert

Oder andersherum: ein erfolgreiches Turnierpferd aus der S-Klasse bekommt gesundheitliche Probleme. Es kann (und sollte) zwar noch geritten werden, nur nicht mehr auf so hohem Niveau; oder es ist dem Stress des Turniersports nicht mehr gewachsen, kann aber noch im Viereck zu Hause seine Bahnen ziehen. Solche Tiere sind als Lehrpferd Gold wert – werden aber für 15.000 bis 20.000 Euro angeboten und kosten nicht mehr sechsstellige (oder siebenstellige) Summen.

Tipp: Bei Pferden gibt es keine Sonderangebote. Pferde werden nach Alter, Leistungsvermögen, Pedigree, Gesundheit, Ausbildung, Geschlecht und Schönheit bewertet. Erfahrene Verkäufer wissen meist auf den Hunderter genau, was ihr Pferd wert ist. Man kann natürlich handeln und oft wird das auch erwartet.

Reitpferd ab 2.000 Euro möglich

Wenn du noch nicht viel Erfahrung in der Haltung mit Pferden hast, schon etwas reiten kannst, gerne ausreitest und dich im Reitunterricht weiterentwickeln willst, solltest du ein Pferd zwischen fünf und fünfzehn Jahren kaufen. Dann ist es bereits eingeritten und hoffentlich auf A-Niveau, es kennt das Reiten im Gelände und macht vielleicht auch mal einen kleinen Sprung. Wenn es gesund und reitbar ist, dazu noch brav im Umgang, kannst du so ein Pferd ab etwa 2000 Euro finden. Vor allem, wenn es keine Papiere hat oder kein Sportpferd ist. Nach oben gibt es keine Grenze.

Tipp: Die Anschaffungskosten für ein Pferd variieren immens, doch ist das Pferd erst einmal da, kosten alle denselben Unterhalt. Diese Kosten hast du wahrscheinlich viele Jahre und können manchmal ganz schön belastend sein. Darum spare niemals in der Anschaffung, sondern kaufe dir dein Traumpferd, auch wenn es ein paar Euro teurer ist! Denn ein Herzenspferd trägt dich auch durch schwierige Zeiten – es wird dir alles tausendfach zurückgeben. Ein fauler Kompromiss kann das nicht.

Darunter ist wahrscheinlich nicht reitbar

Pferde, die für unter 2000 Euro angeboten werden, würde ich noch genauer anschauen als alle anderen. Entweder handelt es sich um Jungpferde, die noch gar nicht geritten werden können, oder sie sind nicht wirklich reitbar. Sie können krank, schwierig im Umgang oder gar gefährlich sein, weil sie jeden Reiter abwerfen.

Geschenkt?!?

Manchmal werden Pferde auch verschenkt, weil der Besitzer überhaupt nichts mehr mit ihnen anfangen kann und nur noch die Kosten los sein will. Weil er ein Tierfreund ist, bringt er das Pferd nicht zum Schlachter, sondern verschenkt es an jemanden, der sich drum kümmert. Solche Pferde sind in der Regel natürlich nicht reitbar, weil sie zu alt, zu krank oder zu klein sind. Manche Menschen halten sie dann als Rasenmäher oder Beistellpferd. Es kann auch Spaß machen, einfach den Kontakt zum Tier zu haben und sich mit ihm zu beschäftigen wie spazieren gehen oder kleine Kunststücke beibringen.

Hinweis: Bevor du ein Pferd kaufst, solltest du es bereits gut kennengelernt haben. Ein Verkäufer, der dich unter Druck setzt, ist mit Vorsicht zu genießen. Außerdem solltest du unbedingt eine tierärztliche Ankaufsuntersuchung  mit Röntgenbildern machen lassen. Was das ist und wie das das geht, erkläre ich dir in einem anderen Artikel.




Die Pflegeerstausstattung

Hurra, du hast dein Traumpferd gefunden. Jetzt brauchst du allerlei Hilfsmittel für die tägliche Pflege des Pferdes. Das absolute Minimum ist:

  • Striegel
  • Kardätsche
  • Hufkratzer
  • Bürste für Mähne und Schweif
  • Pferdeshampoo
  • Schere
  • Eine Putztasche für die Utensilien
  • Handtuch
  • Sattelseife
  • Lederpflege
  • Fliegenspray im Sommer (sehr teuer)

Die Sachen gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und Qualitäten. Der Handel bietet auch Komplettpakete an. Alles zusammen gibt es ab etwa 80 Euro, wobei das Fliegenspray mit 20 Euro das teuerste ist.

Die Erst-Ausrüstung

Schaut man bei erfahrenen Pferdebesitzern in die Schränke, quellen diese meist über vor Ausrüstungsgegenstände. Da sammelt sich im Laufe der Jahre einiges an. Für den Anfang reicht folgendes in der Tabelle.

GegenstandKosten zwischen:Durchschnittlich
Gesamtkosten408 – 8.377 Euro1.815 Euro
Halfter mit Strick12 – 40 Euro20 Euro
Longe10 – 65 Euro10 Euro
Longier-Peitsche

14 – 32 Euro15 Euro
Trense (ohne Gebiss)

22 bis 800 Euro150 Euro
Gebiss (Wassertrense)10 – 100 Euro30 Euro
Sattel300 – 7.000 Euro1.500 Euro
Satteldecke20 – 160 Euro50 Euro
Abschwitzdecke

20 – 180 Euro40 Euro
Diese Dinge brauchst du, wenn du ein Pferd halten willst.

Bei der Erst-Ausrüstung kann man sich auf das Nötigste beschränken. Das spart Geld. Allerdings empfehlen sich qualitativ gute Produkte, denn sie halten länger und machen so den höheren Preis wieder wett. In manchen Ställen wird großer Wert auf Markenartikel gelegt und es findet ein regelrechtes Wettrüsten unter den ReiterInnen statt. Das kann dann sehr teuer werden: Vor allem Sättel können bis zu 5.000 Euro und sogar noch mehr kosten. Ein normal guter Sattel für ein Warmblut liegt zwischen 1.200 und 2.500 Euro. Qualitativ hochwertige Gebisse gehen ab 80 Euro los. Auch Trensen haben ihren Preis: eine Markentrense aus solidem Leder gibt es ab 120 Euro – eine von Passier liegt um die 400 bis 600 Euro und Hermès kostet 800 Euro. Satteldecken werden gerne als Prestigeobjekt im Reitstall verwendet: modisch topaktuell und mit Glitzersteinchen besetzt muss man über 100 Euro dafür hinblättern. Genauso sieht es bei Abschwitzdecken aus: No Name Sonderangebote gibt es ab 20 Euro – Markendecken ab 50 Euro.

Die Unterhaltskosten eines Pferdes

Nachdem die Anschaffungskosten bezahlt wurden gibt es noch die monatlichen Kosten, mit denen du rechnen musst. Sie setzen sich aus den folgenden Beträgen zusammen:

 BeschreibungKosten pro Jahr
Gesamtkostenpro Monat:
468,00 Barhuf
561,00 mit Rundumbeschlag
pro Jahr:
5.619 Euro Barhuf
6.739 Euro mit Rundumbeschlag
Stallmiete200 – 1.000 Euro pro Monat,
etwa 350 Euro im Schnitt
2.400 – 12.000, etwa 4200 Euro im Schnitt
Futter/ Ergänzungsmittel0 bis 100 Euro pro Monat0 – 1.200 Euro, etwa 600 Euro im Schnitt
Hufschmied/Hufpfleger30 – 180 Euro alle 6 bis 8 Wochen210 – 1.330 Euro
Tierärztliche Routineversorgung 4 x Wurmkur pro Jahr
2 x Impfen gegen Herpes, Tetanus und Influenza im Jahr
Zähne raspeln 1x jährlich
Etwa 60,00
Etwa 250,00
Etwa 150 Euro
VersicherungenHaftpflicht ab 5,66/Monat
OP-Versicherung ab 6,78/Monat
Ab 68,00 Euro
Ab 81,00 Euro
Das kostet ein Pferd an Unterhalt, solange nichts Außergewöhnliches passiert.

Achtung: Diese Kosten beruhen auf Schätzungen, Erfahrungswerten und aktuellen Recherchen und sind so nicht wörtlich zu nehmen. Auch kann es durchaus regionale Unterschiede geben. Wer aber mit rund 500 Euro Unterhaltskosten bei Pensionsstallhaltung pro Monat rechnet, liegt nicht verkehrt.

Pensionsstall/Unterbringung

Die wenigsten Pferdebesitzer haben die Möglichkeit, ihr Pferd bei sich zu Hause zu halten. Zum Glück gibt es Pensionsställe, in denen man sein Reittier unterbringen kann. Auch hier gibt es wieder gewaltige Unterschiede – vom Bauern, der eine Weide mit Unterstand vermietet bis hin zum Top-Trainingsstall inklusive Flutungssystem in der Reithalle. Außerdem gibt es noch regionale Unterschiede:  Eine Box mit Weidegang und Reithalle in einer Großstadt kann 1.000 Euro kosten, in ländlichen Gebieten um 350 Euro. Ställe ohne Reithalle sind günstiger, die Reithallennutzung schlägt mit etwa 50 Euro pro Pferd zu Buche.

Es gibt auch private Reitställe, wo weniger Geld, aber dafür Mitarbeit verlangt wird: Dann muss der Einsteller zum Beispiel beim Misten oder der Heuernte helfen. Unter 200 Euro pro Monat wird sich kaum eine Unterkunft fürs Pferd finden lassen, sofern man reiten will und wenigstens einen Reitplatz zur Verfügung gestellt haben möchte. Oft ist dann auch nur Heu oder Silage mit im Preis inbegriffen und der Besitzer muss sein Kraftfutter selbst kaufen und bezahlen.

Hufpflege

Das Hufwachstum ist ein natürlicher Prozess beim Pferd ähnlich wie bei unseren Fingernägeln. Da Hauspferde ihre Hufe nicht so abnutzen wie Wildpferde, müssen sie alle 6 bis 8 Wochen von einem Fachmann gekürzt werden. Das nennt man Ausschneiden und wird von einem Hufschmied oder Hufpfleger übernommen. Manche Pferde benötigen auch noch einen Hufbeschlag – entweder für zwei oder vier Hufe. Hier gibt es verschiedene Varianten wie Kaltbeschlag, Eisen oder Duplos. Außerdem gibt es noch Spezialbeschläge für Springpferde (mit Stollen) oder als Korrektur bei Stellungsfehlern. Die Auswahl solltest du dem Fachmann/ der Fachfrau – eventuell sogar in Absprache mit einem Tierarzt – überlassen. Denn nur mit gesunden Hufen ist dein Pferd in der Lage, dich zu tragen. Nicht umsonst heißt ein altes Sprichwort: „Ohne Huf kein Pferd“. Hufschmied ist übrigens ein Lehrberuf – die Ausbildungszeit beträgt 5 Jahre!

Tierarztkosten

An dieser Stelle werden nur die regelmäßigen Tierarztkosten berechnet – wenn sich dein Pferd verletzt oder krank wird, kommen weitere Tierarztkosten hinzu. Die FN empfiehlt, ein erwachsenes Pferd viermal pro Jahr nach einem vorgegebenen Zeitplan zu entwurmen. Warum das so ist und wie das geht, erkläre ich dir in einem weiteren Artikel. Du bist nicht gesetzlich dazu verpflichtet, dein Pferd zu impfen, aber es wird dringend empfohlen.

Viele Reitstallbetreiber verlangen einen regelmäßigen Impfschutz von Ihren Einstellern. Für die Teilnahme an FN-Turnieren ist die Impfung gegen Influenza zweimal jährlich vorgeschrieben und wird dort auch regelmäßig kontrolliert. Die Impfung gegen Tetanus und Tollwut sollte selbstverständlich sein.

Nachdem in den letzten Jahren das Herpes-Virus vermehrt zu Todesfällen geführt hatte, wird immer öfter eine Bestandsschutz-Impfung in den Ställen durchgeführt. Das heißt, nur wenn alle Pferde in einer Stallgemeinschaft geimpft sind, ist die Herde bestmöglich geschützt. Trotzdem können einzelne Tiere erkranken. Aber die Ansteckungsgefahr und Verbreitung des Virus wird durch die Bestandsimpfung auf ein Minimum reduziert.

Nicht nur du, sondern auch dein Pferd sollte regelmäßig zum Zahnarzt gehen. Pferdezähne wachsen ein Leben lang von unten nach und reiben sich an den Kauflächen ab. Dadurch entstehen scharfe Kanten, die an Zunge und Backentasche sehr unangenehm fürs Pferd sein können. Der Tierarzt raspelt die scharfen Kanten einmal jährlich ab. Das tut dem Pferd nicht weh. Trotzdem halten viele nicht still und müssen dafür sediert werden. Nur wenige Tierärzte schaffen das ohne Betäubung. Nach der Behandlung kann das Pferd wieder besser fressen und auch Anlehnungsschwierigkeiten beim Reiten können sich so in Wohlgefallen auflösen.

Versicherungen

Viele Stallbetreiber bestehen auf einer Halterhaftpflichtversicherung für Pferde. Das macht auch Sinn: Dein Pferd könnte durch einen dummen Zufall davonlaufen und einen Unfall verursachen: es werden Menschen verletzt, es entsteht ein hoher Sachschaden… Keine Angst, ich will dir hier keine Versicherung verkaufen – aber den Wert einer solchen hast du sicher verstanden.

Ansonsten lohnt es sich, über eine OP-Versicherung für Pferde nachzudenken: Stell dir vor, du wirst nachts in den Stall gerufen, weil dein Pferd eine schwere Kolik erleidet. Es muss dringend in die Tierklinik und dort operiert werden. Die Operationskosten belaufen sich auf 3000 Euro, können aber wegen Komplikationen bis auf 12.000 Euro ansteigen. Du bist gerade knapp bei Kasse und sollst eine Entscheidung fällen. Es ist mitten in der Nacht, dein Pferd leidet und du bist emotional total durch den Wind – in einer solchen Situation wärst du sicher froh zu wissen, dass deine Versicherung die Kosten übernimmt und du dich nur noch um dein Pferd zu kümmern brauchst.

Reitkosten

Darunter berechne ich alle Kosten, die direkt mit dem Reiten oder der Reitausbildung von Pferd und Reiter zusammenhängen. Die Reitkosten fallen natürlich nur an, wenn du dein Pferd reitest. Für Aufzuchtpferde und Rasenmäher gelten sie nicht. Man kann sie so aufschlüsseln:

 ErklärungKosten
ReitkleidungReitstiefel (aus Leder, halten bei täglichem Gebrauch und guter Pflege mindestens zwei Jahre)
Reithose (Vollbesatz)
Helm
Handschuhe
Turnierkleidung (Jackett, weiße Hose, Shirt, weiße Handschuhe, Plastron, weiße Satteldecke)
200 – 800 Euro
60 – 180 Euro
60 – 600 Euro
20 – 50 Euro
Turnierausstattung: Alles zusammen etwa 550 Euro, mit besonderen Angeboten geht es vielleicht noch ein bisschen günstiger. Teurer geht im Reitsport natürlich immer.
Vereinsbeitrag50 – 100 Euro jährlich
ReitunterrichtEine Reiteinheit besteht meist aus 30 bis 60 MinutenEinzelstunden: 20 – 65 Euro
BerittkostenEine Reiteinheit besteht meist aus 30 bis 60 Minuten, oft muss das Pferd vorher geputzt, gesattelt und warmgeführt werden, nach dem Beritt wird das Pferd in Empfang genommen und betreut.20 – 65 Euro
LehrgängeDazu kann ich jetzt wirklich keine Angaben mehr machen, die Angebote variieren immens. Aber es gibt sie, sie machen Spaß und kosten Geld.
TurnierteilnahmeFortschreibung Pferd pro Jahr
Fortschreibung Reiter pro Jahr
Nenngeld: pro Prüfung FN
Barockpferdeprüfungen Zugfahrzeug
Anhänger
LKW
30 Euro
30 Euro
ab 10 Euro
etwa 25 Euro

Die Reitbekleidungsindustrie hat längst die modische Reiterin für sich entdeckt: Sie bietet eine Fülle an Funktionskleidung an, die in Frühjahr/Sommer und Herbst/Winter Kollektionen angeboten wird in der Hoffnung, dass sich die modebewusste Reiterin jedes Mal neu eindeckt. Bei männlichen Reitern ist ja bekannt, dass sie ihre Reitkleidung meist tragen, bis sie in Fetzen von ihnen abfällt – sie zu bekehren, scheinen die Hersteller aufgegeben zu haben. Wenn man nicht gerade die Billigangebote wahrnimmt, kann man von guter Qualität ausgehen, die meist länger als nur eine Saison hält.

Tipp: Wenn du deine Reitsachen länger als nur eine Saison tragen willst, dann kaufe nicht den modisch letzten Schrei: Der ist in der nächsten Saison nämlich out und hat in manchen Ställen heftige Lästereien zur Folge.

Es wird also eine Menge Schnickschnack angeboten, den man nicht braucht. Aber einige Dinge sind zum Reiten einfach absolut notwendig: Reitstiefel, Reithose, Helm und eventuell Handschuhe.

Reitstiefel

Anfänger können gerne mit Gummireitstiefeln ihre ersten Erfahrungen sammeln. Doch wer ein eigenes Pferd hat, reitet viel öfter – da sind Lederreitstiefel praktischer. Sie passen besser, sind atmungsaktiv und halten (bei guter Pflege) länger. Wer sich die anstrengende Prozedur von Anziehen mit Haken und Ausziehen mit Stiefelknecht ersparen will, sollte Reitstiefel mit Reißverschluss wählen. Im Sommer ist die Kombination von Stiefeletten und Chaps sehr angenehm, denn man kann die Chaps für die Stallarbeit ausziehen und sie nur beim Reiten tragen.

Reithosen

Sie wurden speziell fürs Reiten konzipiert und sind ein absolutes Muss: wer einmal in Jeans geritten ist, weiß, was ich meine: Hier stören die Nähte und können empfindlich reiben. Ein Vollbesatz sorgt für mehr Haftung im Sattel und verstärkt die Hose an den stark beanspruchten Stellen. Eine gute Reithose hält bei täglicher Benutzung für ein Pferd etwa ein Jahr – ich empfehle mindestens zwei, damit eine in die Wäsche kann.

Reithelm

Über die Notwendigkeit eines Reithelms müssen wir hoffentlich gar nicht diskutieren. Reiten gehört zu den Risikosportarten! Auch sehr gute, erfahrene Reiter fallen mal vom Pferd oder das Pferd kann stolpern und stürzen. Gerade Stürze von langsamen oder stehenden Pferden sind gefährlich, weil der Aufprallwinkel des fallenden Reiters dann senkrecht ist. Wie das passieren kann? Ich bin schon von tiefhängenden Ästen im Gelände abgestreift worden, als mein Pferd im Schritt unten durch ging (ich fiel weich auf Reisig). Eine Frau aus meinem Stall fiel vom Pferd, als sie an der Bande ihre Jacke aufhängen wollte: die Jacke fiel runter, das Pferd erschreckte sich und sprang zur Seite, die Frau stürzte, weil sie sich gerade so stark zur Seite beugte und das Gleichgewicht verlor – Resultat: Beckenbruch. Ich könnte noch viele Beispiele anführen. Die Quintessenz ist einfach, immer einen Helm zu tragen, auch wenn man ein(e) erfahrene(r) ReiterIn ist, ein braves Pferd hat und heute eigentlich nur Schritt reiten will.

Handschuhe

Sie sind ganz praktisch: an warmen Tagen, weil einem dann nicht die Zügel durch die verschwitzen Hände gleiten; an kalten Tagen, weil sie die Finger wärmen. Es gibt sogar welche, die das UV-Licht durchlassen, damit Vielreiter im Sommer keine weißen Hände haben.

Turnierdress

Wer auf einem Turnier starten will, muss sich der Kleiderordnung beugen. Vorschrift sind dunkles Jackett und helle Hose, dazu weiße Handschuhe und ein Helm. In der Dressur wird viel Wert auf das Erscheinungsbild gelegt, die Springreiter sind in der Hinsicht großzügiger.

Reitverein

In manchen Reitställen ist ein Reitverein vor Ort. Es empfiehlt sich, dem beizutreten. Hier kann man an verschiedenen Veranstaltungen teilnehmen und oft werden auch Reitunterricht oder Lehrgänge vergünstigt angeboten. Wer an FN-Turnieren teilnehmen will, muss in einem Verein organisiert sein, ansonsten bekommt man keine Starterlaubnis.

Reitunterricht
Reiten ist nicht wie Fahrradfahren, das man irgendwann einmal lernt und dann für immer kann. Reiten ist Kommunikation mit dem Pferd, die man stetig verbessern kann. Je besser du reitest, desto angenehmer bist du für dein Pferd. Auch wenn du nicht den Ehrgeiz hast, einmal als Dressur-Crack im großen Viereck zu landen, solltest du dennoch die Basis der Dressur beherrschen. Denn die Dressur dient dazu, dem Pferd die Fähigkeit anzutrainieren, den Reiter ergonomisch zu tragen und so als Reitpferd gesund bis ins hohe Alter zu bleiben. Darum solltest du deinem Pferd zuliebe regelmäßig Reitunterricht nehmen und versuchen, deine Reitkünste ständig zu verbessern.

Beritt

Es gibt viele Gründe, warum man als Pferdebesitzer auf Beritt zurückgreift. Vielleicht hast du ein junges Pferd gekauft, das noch nicht eingeritten ist, oder noch nicht dem Ausbildungsstand entspricht, den du dir wünscht. Da kann dir ein erfahrener Bereiter helfen, denn es ist eine Sache, ein ausgebildetes Pferd nachzureiten und eine andere, dem unerfahrenen Pferd neue Sachen beizubringen. Oder du hast ein Pferd gekauft, das schlechte Erfahrungen gemacht hat und sich deshalb beim Reiten nicht so verhält, wie du es wünschst. Solche Korrekturen überlässt man auch besser einem erfahrenen Berufsreiter. Aber auch wenn du überhaupt keine Probleme mit deinem Pferd hast, willst du vielleicht mal in den Urlaub fahren oder kannst eine Zeitlang aus beruflichen oder krankheitsbedingten Gründen nicht reiten. Dann kannst du jemanden buchen, der dein Pferd regelmäßig bewegt.

Tipp: Leider gibt es unter den Bereitern auch schwarze Schafe. Darum sieh dir genau an, wem du dein Pferd anvertraust. Wenn dein Pferd schweißnass vom Beritt kommt oder einen unzufriedenen Eindruck macht, war der Beritt nicht gut. Finger weg von „Action-Reitern“! Die besten Reiter sind die, unter denen die Pferde zufrieden und unspektakulär, ja fast schon spielerisch daher traben und sich so immer weiter positiv entwickeln.

Sonderkosten

Darunter fallen alle Kosten, die außer der Reihe und auch nicht für jedes Pferd anfallen. Es ist nicht schön, passiert aber leider immer wieder: das Pferd wird krank oder hat einen Unfall. Manchmal macht es auch einfach etwas kaputt und muss ersetzt werden. Denkbar wäre zum Beispiel, dass beim Ausritt ein parkendes Auto beschädigt wird, oder das Pferd geht durch, galoppiert über einen Acker und macht die Ernte platt. Oder du planst vielleicht einen Auslandsaufenthalt und willst dein Pferd mitnehmen: dann fallen Transportkosten an. Bei Sonderkosten handelt es sich meistens um Rechnungen für

  • Tierärzte
  • Klinikaufenthalte
  • Operationen
  • Medikamente
  • Schadensersatzleistungen (Pferd hat etwas kaputt gemacht)
  • Reisekosten

Die Summen sind individuell verschieden und können hier nicht kalkuliert werden. Für Operationen und Sachschäden gibt es Versicherungen. Ansonsten empfiehlt es sich, für den Notfall Rücklagen zu bilden.

Kosten senken

Um die Unterhaltskosten deines Pferdes zu senken bieten sich ein paar Möglichkeiten an.

Reitbeteiligung

Gerade berufstätige Menschen haben oft gar nicht die Zeit, um sich täglich um ihr Pferd zu kümmern. Entweder gibt man sein Pferd dann in kostenpflichtigen Beritt, oder man sucht sich eine zuverlässige Reitbeteiligung. Es werden feste Tage vereinbart, an denen sich die Reitbeteiligung um das Pferd kümmert: es putzt, füttert und bewegt. Dafür übernimmt sie anteilig die Kosten für das Pferd. Eine Reitbeteiligung findet man am schwarzen Brett im Stall, durchs Hörensagen oder auch übers Internet.

Mithilfe im Stallbetrieb

Gerade in kleinen, privat geführten Ställen ist manchmal ein Deal möglich, der beiden Seiten zuträglich ist: Wer Zeit, aber wenig Geld hat, kann verschiedene Arbeiten wie Misten, Pferde raus- und reinbringen oder füttern übernehmen und dafür eine kleinere Pension bezahlen. Einfach mal mutig sein und den Stallbetreiber fragen.

Pferd zur Verfügung stellen

Manche Menschen wollen mit Pferden Geld verdienen, haben aber kein Pferd. Denen kannst du dein Pferd gegen Entgelt zur Verfügung stellen – vorausgesetzt, du bist einverstanden mit dem, was sie vorhaben. Dies ist allerdings keine Aufforderung dazu, dein Pferd wildfremden Menschen zu geben, die mal Ausreiten wollen oder ähnliches. Es ist dein Pferd und du allein trägst die Verantwortung für sein Wohlbefinden. Vorstellbar wäre ein Reitlehrer, der für einen Schüler ein Lehrpferd benötigt. Wenn der Schüler besser reitet als du, könnte das eine gute Lösung sein. Ich habe mal mein Pferd an eine gute Freundin verliehen, die Kurse in Coaching mit Pferden veranstaltete. Dabei wurde mein sensibles Dressurpferd unter Aufsicht am Halfter um Kegel und über Planen geführt. Meiner Stute hat das offensichtlich gefallen und ich habe viel Geld dafür bekommen.

Hinweis: Gebe dein Pferd niemals an Fremde! Lass dir genau erklären, was der Ausleiher mit ihm vorhat. Am besten schaust du beim ersten Mal zu. Wenn du das Gefühl hast, deinem Pferd tut das nicht gut, verzichte lieber auf das Geld.

St. Martinspferd

Wenn dein Pferd nervenstark ist und einen ruhigen Schritt gehen kann, versuche doch, einen Auftritt als St. Martinsreiter zu bekommen. Viele Kindergärten und Schulen sind dankbar für solche Angebote und zahlen zwischen 50 und 200 Euro.

Mädchen auf Pony reitet durchs Kornfeld

Test: Kann ich mir ein Pferd leisten?

Die einfachen Dinge sind meistens die besten im Leben. Darum erwartet dich hier jetzt auch kein aufwendiger Test mit hundert Fragen und Punkteauswertung sondern nur folgendes: Weiter oben haben wir festgestellt, dass der Unterhalt eines Pferdes rund 500 Euro im Monat kostet. Hinzu kommen noch Reitunterricht und Berittkosten. Falls du dich fragst, ob du dir ein Pferd leisten kannst, dann lege einfach jeden Monat 600 Euro auf die Seite. Wenn du das ein Jahr lang durchgehalten hast, weißt du, dass du es dir leisten kannst und hast außerdem einen schönen Betrag angespart, mit dem du dein Traumpferd kaufen kannst. Sollte etwas davon übrigbleiben, lege es für Notfälle zurück.

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Cristine Keidel - Reiterfragen.de

Seit meiner Kindheit bin ich im Sattel zu Hause und habe das Bronzene Reitabzeichen. Unvergesslich sind mein erstes eigenes Pferd „Piroschka“, Andalusier „Cariño“, den ich aus Spanien importierte und bis zur Kandarenreife ausbildete, und natürlich PRE „Amoroso“, mit dem ich zahlreiche Showauftritte hatte und 2011 die Copa Baroque gewann. Aktuell begleitet mich Hannoveraner-Stute „Belle de Jour“ durchs Reiterleben.

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