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Trageschwäche oder Trageerschöpfung beim Pferd – Die Unterschiede!

Pferdebesitzer stolpern oft über die Begriffe Trageschwäche und Trageerschöpfung beim Pferd. Obwohl sie ähnlich klingen, bedeuten sie sehr unterschiedliche Zustände – und erfordern unterschiedliche Maßnahmen. Dieser Artikel hilft dir, den Unterscheid zu verstehen und frühzeitig richtig zu handeln.

Einleitung: Warum dieses Thema für Reiter so entscheidend ist:

Immer mehr Pferdebesitzer stoßen auf die Begriffe Trageschwäche und Trageerschöpfung. Auf den ersten Blick klingen beide gleich – doch in Wahrheit handelt es sich um zwei sehr unterschiedliche Zustände, die jeweils ein anderes Vorgehen erfordern.

Während die Trageschwäche oft nur ein Trainingsdefizit darstellt und mit gezielten Übungen behoben werden kann, ist die Trageerschöpfung ein ernstes Krankheitsbild, das bereits zu körperlichen Schäden geführt hat.

Wer diese Unterscheidung kennt, kann frühzeitig eingreifen und seinem Pferd viel Leid ersparen.

Trageschwäche – das fehlende Fundament

Trageschwäche beschreibt die unzureichende Tragfähigkeit eines Pferdes, weil die notwendigen Muskeln und Strukturen noch nicht ausreichend entwickelt sind.

Typische Merkmale der Trageschwäche

  • Pferd ist jung oder nach Pause untrainiert

  • Bauchmuskeln und Rückenmuskeln sind schwach

  • Pferd fällt auf die Vorhand und es fällt ihmschwer, die Hinterhand aktiv unter den Schwerpunkt zu bringen.

  • Rücken wölbt sich nicht richtig auf

  • Bewegungen wirken unausbalanciert

  • Nach kurzen Pausen zeigt sich oft eine Verbesserung.

 

Wichtig: Trageschwäche ist kein Krankheitsbild, sondern ein Trainingszustand. Mit konsequentem, gymnastizierendem Training lässt sie sich oft in wenigen Monaten beheben.

Was bedeutet Trageerschöpfung beim Pferd?

Trageerschöpfung ist die krankhafte Folge einer langfristigen Überlastung.
Die Rumpftragemuskulatur ist so ermüdet, dass das Pferd den Reiter nicht mehr gesund tragen kann.

Typische Merkmale der Trageerschöpfung

  • Eingefallene Rückenlinie, hervortretende Dornfortsätze

  • Unterhalsmuskulatur stark ausgeprägt

  • Pferd wehrt sich beim Satteln oder Aufsteigen

  • Bewegungen wirken steif, Pferd stolpert oder läuft taktunrein

  • Sekundäre Probleme wie Lahmheiten oder Hufprobleme treten auf

Wichtig: Trageerschöpfung ist kein einfacher Trainingszustand, sondern ein ernstes Krankheitsbild. Hier reicht normales Training nicht mehr aus – das Pferd braucht eine gezielte Therapie und längere Regeneration.

Die Anatomie des Pferderückens verstehen

Um den Unterschied richtig einordnen zu können, hilft ein Blick in die Biomechanik:

  • Wirbelsäule & Brustkorb: Das Pferd trägt das Reitergewicht nicht über Knochen, sondern über ein Zusammenspiel von Muskeln, Bändern und Faszien.

  • Bauch- und Rückenmuskeln: Nur wenn die Bauchmuskeln anspannen, kann sich der Rücken wölben und das Gewicht gesund abfedern.

  • Hinterhand: Sie liefert die Energie. Ohne aktiven Schub bleibt der Rücken passiv und sackt durch.

Fehlt Muskulatur, spricht man von Trageschwäche.
Werden diese Strukturen überlastet, spricht man von Trageerschöpfung.

Der Übergang von Trageschwäche zur Trageerschöpfung

Oft beginnt es harmlos: Ein junges Pferd ist noch nicht stark genug, ein älteres Pferd wird nach einer Winterpause zu schnell wieder belastet.
Wird dieses Defizit ignoriert oder das Pferd trotzdem regelmäßig geritten, kann aus einer harmlosen Trageschwäche eine ernsthafte Trageerschöpfung werden.

Entscheidende Warnsignale, dass Trageschwäche kippt:

  • Das Pferd zeigt Schmerzreaktionen beim Putzen oder Satteln

  • Abwehrverhalten beim Reiten (Buckeln, Steigen, Durchgehen)

  • Dauerhafte Verspannung der Oberlinie

  • Rückgang der Muskulatur trotz Training

  • Längere Regenerationszeiten nach kurzen Belastungen

Warum die Unterscheidung so wichtig ist

  • Wer Trageschwäche erkennt, kann sein Pferd rechtzeitig trainieren und Schäden verhindern.

  • Wer Trageerschöpfung übersieht, riskiert dauerhafte gesundheitliche Schäden beim Pferd.

Für Reiter bedeutet das:

  • Bei Trageschwäche → Weiterarbeiten, aber gezielt auf Muskelaufbau achten.

  • Bei Trageerschöpfung → Sofort entlasten, Therapie einleiten, Spezialtraining beginnen.

Warum wir gut reiten sollten

Diagnose: Wie erkenne ich, was mein Pferd hat?

Viele Reiter fragen sich: „Wie kann ich den Unterschied selbst feststellen?“

Selbsttests für den Stall:

  • Rücken abtasten: Fühlt er sich weich-elastisch oder hart-gespannt an?
  • Brustkorb ansehen: Ist er abgesackt oder trägt sich das Pferd aufrecht?
  • Bewegungsbild: Läuft das Pferd taktklar oder stolpert es?


Fachliche Untersuchung
:

  • Tierarzt: schließt Lahmheiten oder orthopädische Probleme aus.
  • Osteopath/Physiotherapeut: untersucht Muskulatur, Blockaden und Faszien.
  • Videoanalyse: Viele Trainer nutzen Slow-Motion, um feine Fehlbewegungen sichtbar zu machen.

Trageschwäche vs. Trageerschöpfung

MerkmalTrageschwächeTrageerschöpfung
DefinitionUnzureichende Tragfähigkeit durch fehlenden MuskelaufbauÜberlastung & Schädigung der Rumpfmuskulatur
UrsachenJungpferd, Trainingspause, ungenügende GymnastikFalsches Reiten, Überlastung, unpassender Sattel, jahrelange Fehlbelastung
SymptomeLeichte Unsicherheit, Vorhandlastigkeit, fehlende AufrichtungSchmerzen, Taktfehler, Abwehrverhalten, Muskelabbau
GefährdungGering, reversibel durch TrainingHoch, Gefahr chronischer Schäden
DauerMit gezieltem Training in Wochen bis Monaten behebbarTherapie über Monate bis Jahre nötig
MaßnahmeGymnastizierendes Training & MuskelaufbauEntlastung, Physiotherapie, Therapiepläne, behutsamer Muskelaufbau

Weitere Buchempfehlungen

Für alle, die tiefer in das Thema Trageschwäche und Trageerschöpfung eintauchen möchten, empfehlen wir Fachliteratur von Expert:innen die praxisnahe Ansätze und wissenschaftlich fundierte Hintergründe bieten.

• Der Klassiker für Anatomie beim Pferd

Karin Kattwinkel und Peter Selbach neues Buch

• Ratgeber von Dr. Sandra Ruzicka

Therapie-Tipps: Erste Schritte für Reiter

Bei Trageschwäche

  • Bodenarbeit: korrektes Longieren mit Aufrichtung und Bauchspannung.
  • Kurze Reiteinheiten mit vielen Übergängen und Tempowechseln.
  • Seitengänge (Schulterherein, Travers), um die Hinterhand zu aktivieren.
  • Abwechslung: Stangenarbeit, kleine Geländeritte, gymnastische Übungen.


Bei Trageerschöpfung

  • Entlastung: vorübergehend weniger oder gar kein Reiten.
  • Therapie: Physiotherapie, Osteopathie, ggf. Schmerzbehandlung durch den Tierarzt.
  • Langsamer Muskelaufbau mit viel Bodenarbeit, Spaziergängen und Aquatraining.
  • Geduld: Rückkehr ins Training erst nach Stabilisierung.

FAQ– Häufige Fragen zu Trageschwäche & Trageerschöpfung

Als Faustregel sollten Pferde erst ab ca. 5 Jahren ernsthaft belastet werden – je nach Rasse und individueller Entwicklung.

Nein, sie benötigt gezieltes Training. Ohne Aufbauarbeit bleibt das Problem bestehen oder verschlimmert sich.

Je nach Schweregrad kann der Aufbau mehrere Monate bis Jahre dauern. In schweren Fällen ist das Pferd nicht mehr reitbar.

Der wichtigste Hinweis: Bessert sich der Zustand nach Pausen, handelt es sich meist um Trageschwäche. Bleiben die Probleme konstant, spricht vieles für Trageerschöpfung.

Ja, ein schlecht sitzender Sattel ist eine der häufigsten Ursachen für chronische Rückenprobleme.

Ein zu schwerer Reiter kann den Übergang von Schwäche zu Erschöpfung massiv beschleunigen. Faustregel: max. 15 % des Pferdegewichts.

Bei Schwäche: Stangenarbeit, Tempoübergänge, Schrittlängen-Variationen, Seitengänge.
Bei Erschöpfung: sanfte Bodenarbeit, Spaziergänge, therapeutische Gymnastik.

 


Fazit

Trageschwäche ist die Vorstufe, Trageerschöpfung die Eskalation.
Während man eine Trageschwäche schnell beheben kann, braucht die Trageerschöpfung viel Zeit, Geduld und einen klaren Therapieplan.

Wer den Unterschied versteht, hat die Grundlage geschaffen, um die richtige Entscheidung für sein Pferd zu treffen.

Ein Blick voraus: Methoden & Trainer

In den kommenden Artikeln dieser Serie schauen wir uns bewährte Konzepte im Detail an:

  • Karin Kattwinkel: Fachärztin für Trageerschöpfung, die Pferde ganzheitlich betrachtet und mit speziellen Diagnose- und Aufbaukonzepten arbeitet.

  • Michael Geitner: Bekannt für seine Dual-Aktivierung und Equikinetic – ein Zirkeltraining mit Zeitintervallen, das gezielt Tragkraft und Muskulatur stärkt.

  • Peter Grünbeck: Entwickler des „Horse Bodyforming“ – ein Konzept, das Faszienarbeit, Dehnung und gezielten Muskelaufbau kombiniert.

Jeder dieser Trainer liefert wertvolle Werkzeuge, die wir in den Folgeartikeln ausführlich vorstellen.

 

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